Die Planung moderner Einzelapartments für ca. 40 Studierende unter weitgehender Einbeziehung der historisch wertvollen Bausubstanz war Gegenstand der Aufgabenstellung durch das Studentenwerk.
Wegen des fortgeschrittenen Verfalls der Gebäudesubstanz und der in situ zu erhaltenden Fassaden, kommt jedoch nur eine Entkernung des Gebäudes und die Errichtung eines inneren Neubaus in Frage. Darüber hinaus mussten Forderungen nach denkmalgerechter Sanierung und Rekonstruktion zerstörter Bereiche vor allem der Außenwände, des Treppenraums und der hölzernen Treppenanlage seitens der Denkmalbehörde berücksichtigt werden.
Entkernung
Nach Abbruch von Gewerbehallen- und Treppenhausanbau erfolgt die vollständige Entkernung des Hauptgebäudes. Es wurde dafür ein Rückbaukonzept mit temporärer Sicherung der verbleibenden Außenwände durch eine Stahlkonstruktion auf sehr beengtem Baufeld erarbeitet. Die Sicherungskonstruktion muss die Standsicherheit der Fassaden in allen Bauphasen gewährleisten und gleichzeitig größtmögliche Baufreiheit zur termingerechten Errichtung des neuen Gebäudekerns gewährleisten.
Sanierung
Nach der photogrammetrischen Bestandsaufnahme der denkmalgeschützten Fassaden erfolgte eine detailierte Planung zur Rekonstruktion und Sanierung abgängiger bzw. geschädigter Außenwandbereiche.
Zur Erarbeitung eines nachhaltigen Sanierungskonzeptes wurden Gutachter verschiedener Fachbereiche hinzugezogen. Die Technologie der denkmalgerechten Sanierung musste u.a. Forderungen von Wärmeschutz, Brandschutz, Feuchteschutz der Fassade und des Holzschutzes bei größtmöglichem Substanzerhalt der historischen Bauteile berücksichtigen.
Den erforderlichen Wärmeschutz gewährleistet eine kapillaraktive Innendämmung, welche durch Simulationsrechnungen hinsichtlich des Wärme- und Feuchteverhaltens der Fassadenbauteile ermittelt wurde. U.a. wurde daraus auch die Notwendigkeit einer diffusionsoffenen Hydrophobierung der Backsteinfassade zur Gewährleistung der Schlagregensicherheit abgeleitet.
Außerdem waren alle einzusetzenden Materialen und Schutzmittel aufeinander abzustimmen und bezüglich der Eignung auf das historische Material abzustimmen.
Die Forderungen der Denkmalpflege nach vollständiger Rekonstruktion des historischen Treppenraums mit Wiedereinbau der originalen Treppenanlage wurden bei der Planung ebenfalls berücksichtigt. Die Farbgestaltung des Treppenhauses erfolgt nach restauratorischem Befund der Erstfassung von 1855.
Neubau
Wegen der komplizierten Baugrundverhältnisse und der damit verbundenen Gefahr unterschiedlicher Setzungen kommt für die Lastabtragung aus dem inneren Neubau in den inhomogenen, weichen Baugrund mit hohen Grundwasserständen eine wasserundurchlässige Stahlbetonplatte zur Ausführung. Wände aus Kalksandsteinmauerwerk und Stahlbetondecken bilden die innere Tragstruktur, wobei die historischen Außenwände über Auflagertaschen der Stahlbetondecken in das statische System eingebunden werden. Alle nichttragenden Innenwände sind als Trockenbauwände geplant worden.
Das zwischen den Staffelgiebeln eingespannte Satteldach wird in Holzbauweise erneuert und mit historisch belegter Biberschwanzdoppeldeckung eingedeckt. Die doppelreihigen Dachgauben wurden im Rahmen der Planung an Hand historischer Fotos und Plänen rekonstruiert und werden mit einer Schieferdeckung versehen.





